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Interview mit dem Hausarzt Jasper de Wit über Hygiene im medizinischen Bereich.

Jasper de Wit arbeitet seit 15 Jahren als Allgemeinmediziner und war zuvor als Arzt im Krankenhaus tätig. Er ist auch Inhaber des vor etwa zwei Jahren gegründeten Medisch Centrum Hoog Lede in Vlaardingen. Eine solch hektische Zeit wie in den letzten anderthalb Jahren und die arbeitsreiche Zeit zurzeit hatte er in seiner langen Karriere noch nie zuvor erlebt. Kollegin Daphne besuchte ihn im medizinischen Zentrum, um ihn danach zu fragen, wie er auf diese Zeit zurückblickt, was sich in Bezug auf die Behandlung und Hygiene geändert hat und wie er die Zukunft im Hinblick auf die neuen Hygienemaßnahmen sieht.

Im vergangenen März erreichte das Coronavirus die Niederlande und breitete sich wie ein Ölteppich über unser Land aus. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Können Sie mir diesen Zeitraum schildern?
Es war und ist eine sehr intensive Zeit für unsere Praxis. Letztes Jahr wusste niemand, was das COVID-19-Virus bedeutet, wie ansteckend es ist und für welche Personengruppe es eine Gefahr darstellt. Das ist auch heute noch so, wir wissen zwar, wie man vorbeugen kann, aber nicht, wie man sie richtig behandelt. Dies führte zu viel Verunsicherung und Panik bei uns und unseren Patienten. Deshalb haben wir letztes Jahr in aller Unwissenheit alles daran gesetzt und mehrere Notfallstationen eingerichtet, um Patientenströme voneinander trennen zu können. Auf diese Weise kamen Patienten, bei denen ein Verdacht auf COVID-19 bestand, nicht mit anderen Patienten in Kontakt. Leider hatten wir damals einen Mangel an Schutzmaterial für die Ärzte. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass eine Reihe von Kollegen im ganzen Land an den Folgen der Infektion verstorben sind, das ist schrecklich und macht die Gefährlichkeit des Virus noch deutlicher. Ich war daher enttäuscht, als man uns sagte, dass wir bei der Anwendung des Impfstoffs keine Priorität haben würden. Wir haben mit allen Ärzten hart darum gekämpft, und wurden dann glücklicherweise im Februar geimpft. Doch um auf das Frühjahr 2020 zurückzukommen, da hat man bei Verdacht auf COVID-19 die Patienten zu den separaten, zentralen Standorten gebracht. Damals waren diese Patienten in völliger Panik und dachten nur an die Bilder im Fernsehen aus Italien: auf die Intensivstation gehen, auf dem Bauch liegen, die Familie nicht sehen und allein sterben. Es gab keinen Mittelweg. Wenn man sich ansteckt, würden die letzten Tage so aussehen.

Wie habt ihr darauf reagiert?
Am Anfang waren alle in Panik. An den Notfallstandorten wurden sogar Leichenhallen eingerichtet, was zeigt, wie sehr wir in Panik waren. Aber was genau ist anders als normal, habe ich mich gefragt. Wir sehen oft kranke Menschen und Menschen, die leider sterben. Es waren die totale Angst, die Unsicherheit und die großen Augen der Patienten, die u. a. den Unterschied ausmachten. Das war mir eigentlich schon nach dem ersten obligatorischen Corona-Dienst klar. Völlig in einen Quarantäneanzug gehüllt, sah ich Patienten mit schweren und weniger schweren Beschwerden. Während der Behandlungen begann ich, auf die Panik der Patienten einzugehen. Man merkt dann, dass man ihnen viel von ihrer Angst nehmen kann, indem man einfach sagt: „Sie sind vielleicht krank und haben sich angesteckt, aber Sie müssen nicht auf die Intensivstation und wahrscheinlich nicht einmal ins Krankenhaus.“ Auf diese Weise konnten wir ein wenig mehr Ruhe schaffen und ihnen die Panik nehmen.

Gibt es viele Patienten, die ihren Besuch beim Hausarzt aus Panik verschoben haben?
Ich hatte das Glück, dass ich keine ernsten Diagnosen zu spät festgestellt habe. Es gab eine Reihe von Patienten, die längere Zeit mit geringeren Beschwerden herumliefen. Glücklicherweise gab es keine Patienten, die aus Panik ferngeblieben sind und bei denen ich später eine bösartige Erkrankung diagnostiziert habe. Bei anderen Praxen kam das leider schon vor. Es gab sogar schon Todesfälle in den Patientenreihen, weil sie sich nicht trauten, in die Praxis zu kommen und eine Behandlung dann zu spät war. Jetzt, da das Gastgewerbe wieder geöffnet ist, trauen sich wieder mehr Menschen, zum Hausarzt zu gehen. Sie können natürlich immer zum Hausarzt gehen. Es ist jetzt einfach extrem viel los.

Mitte Februar des Jahres 2020 haben die Hausärzte mit der Impfung in ihren Praxen begonnen. Wie haben Sie das erlebt?
Das Lästigste war, dass die Regierung uns das Leben schwer gemacht hat. Wir hatten gerade Patienten eingeladen, Termine geplant, und dann hieß es, die Impfung könnte nicht sicher sein. Wieder einmal totale Panik und Unsicherheit bei unseren Patienten. Unsere Assistentin wurde pausenlos angerufen, weil die Leute ihre Impftermine absagen wollten. Und schließlich hat die Regierung uns mitgeteilt, dass AstraZeneca doch gespritzt werden könnte. Dann gab es auch noch die Anweisung, dass zwischen den beiden Impfungen ein Abstand von 12 Wochen liegen musste. Wir hatten alles so effizient wie möglich geplant. Alle hatten ihre erste Einladung erhalten und die zweite Einladung für 12 Wochen danach. Dann stellte sich heraus, dass dies nicht notwendig war und die zweite Impfung auch früher verabreicht werden konnte. Dieser Zeitraum war ohnehin schon intensiv, aber die wechselhafte Politik hat die Zeit noch schlimmer gemacht, was mich sehr ärgert. Auch dies hat wieder einmal ungerechtfertigte Ängste in der Bevölkerung geschürt und die Impfquote beeinflusst. Stadtviertel mit Einwohnern, die die niederländische Sprach nicht ausreichend beherrschen, werden jetzt zu Brennpunkten, weil es dort nicht genug Menschen geimpft sind. Dazu wäre sowieso gekommen, aber die unklare Kommunikation unserer Regierung hat das Ganze noch verstärkt.

Was sind die größten Unterschiede in Bezug auf die Hygiene vor Corona und jetzt?
Wir haben sofort alle Praxiseingänge mit desinfizierendem Alkoholgel versehen. Wir mussten auch feststellen, bei welchen Patienten ein Verdacht auf COVID-19 vorlag und bei welchen nicht. Bei Halsbeschwerden, Fieber oder anderen Beschwerden, die auf COVID-19 hindeuten, wurden die Patienten gebeten, nach Hause zu gehen und uns anzurufen. Bei anderen Beschwerden mussten die Patienten im Auto warten und wurden per SMS benachrichtigt, wann sie hineinkommen durften. Auf diese Weise blieben die Wartezimmer leer. Alle haben gut mitgearbeitet und empfanden es als eine schöne, sichere Art zu handeln. Außerdem trugen wir eine komplette Schutzausrüstung. Es war sehr heiß, stickig und man macht sich anonym, während einem jemand gegenüber sitzt und eine sehr persönliche Geschichte erzählt. Ich empfand es als sehr angenehm, als ich das alles wieder ausziehen konnte. Natürlich ist das Händewaschen ein wichtiger Teil unserer Arbeit, wir arbeiten noch mehr mit Handschuhen und reinigen und desinfizieren regelmäßiger. Das wird vorerst so bleiben.

Welche Hygieneprodukte sind in eurer Hausarztpraxis unverzichtbar?
Wir haben eine alkoholische Händedesinfektionssäule am Eingang und alkoholisches Handgel auf allen Theken und Schreibtischen. Eine effiziente Handseife ist auch in unseren Behandlungsräumen unverzichtbar. Aber auch die Produkte, die wir zur Reinigung und Desinfektion der Möbel verwenden, sind von wesentlicher Bedeutung in der Praxis. Wir reinigen die Möbel mit Wasser und Reinigungsmitteln und desinfizieren sie mit Desinfektionssprays auf Alkoholbasis.

Wie wichtig ist Ihnen das Thema Hygiene?
Natürlich war das schon immer wichtig für mich. Während der Ausbildung zum Arzt studiert man Mikrobiologie. Man lernt, wie wichtig gute Hygiene ist und dass Bakterien immer und überall vorhanden sind. Mit Mikrobiologie habe ich jeden Tag zu tun, wenn ich einen chirurgischen Eingriff vornehme. In dem Moment, in dem man merkt, dass ein Virus stärker ist als das, was wir gewohnt sind, und auch noch mutiert, wird man sehr viel wachsamer. Wenn ich mir die Beschwerdeverläufe und die Lungenröntgenbilder vom Dezember 2019 anschaue, wird mir klar, dass das Virus wahrscheinlich schon viel früher bei uns war. Wir wussten es nur noch nicht. Dadurch bin ich viel wachsamer geworden, was die Hygiene angeht. Ich denke auch mehr nach, ob es sinnvoll ist, Hausbesuche zu machen.

Welche Hygienemaßnahmen bleiben bestehen?
Ich gehe davon aus, dass wir unsere Hände weiterhin gründlich waschen und desinfizieren werden. Vielleicht nicht mehr an jedem Türeingang, aber es wird zunehmend normal, desinfizierendes Handgel bei sich zu haben und sich ab und zu die Hände zu desinfizieren. Natürlich werden wir unsere Praxen weiterhin gut reinigen und die Kontaktstellen mehrmals täglich desinfizieren. Ich hoffe, dass ich meinen Patienten bald wieder die Hand geben kann, das ist eine angenehme persönliche Art der Begrüßung für mich und meinen Patienten. Wir haben immer gelacht, wenn wir in Amsterdam Touristen mit Mundschutz gesehen haben, aber so verrückt ist das gar nicht. Die Menschen In Asien haben schon früher mit Pandemien zu tun gehabt, deshalb tragen sie häufiger Mundschutz und sind viel wachsamer. Vielleicht werden auch wir dieses Verhalten übernehmen. Andererseits sind die Niederländer viel sachlicher, sodass es interessant sein wird, zu sehen, wie es sich entwickeln wird.

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